Bloß nicht wieder Abstiegskampf

  • Datum: 02. Oktober 2020
  • Quelle: https://www.kreiszeitung.de/

  • Autor: Malte Rehnert

Neuzugänge HAL
  • Foto: Borchardt

Barnstorf – Gespielt wird in der Halle, gekämpft quasi um jeden Ball. Alle paar Sekunden Körperkontakt und knackige Zweikämpfe: In Zeiten von Corona, den Abstands- und Hygieneregeln schwer vorstellbar, dass diese Sportart gefahrenlos praktiziert werden kann. Und doch: Der Handball ist auch im Amateurbereich zurück! Am Freitagabend (20.00 Uhr) startet die Männermannschaft der neu gegründeten HSG Hunte-Aue Löwen (ein Zusammenschluss der HSG Barnstorf/Diepholz und der HSG Wagenfeld/Wetschen) in die neue Oberliga-Saison – mit dem Auswärtsspiel bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen.

„Grundsätzlich ist Vorfreude da“, sagt Trainer Heiner Thiemann. Verständlich, schließlich mussten die Handballer wegen der Corona-Pandemie eine etwa halbjährige Pflichtspiel-Zwangspause einlegen. Die letzte Oberliga-Partie absolvierte die Mannschaft am 7. März – lange her.

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Dass es nun – bei steigenden Corona-Zahlen – wieder losgeht, birgt laut Thiemann „natürlich ein gewisses Risiko. Ich weiß auch nicht, ob wir die Saison störungsfrei durchbekommen.“ In den Kreisen Friesland und Cloppenburg etwa sind Kontaktsportarten – also auch Handball – bis zum 11. Oktober verboten. „Das ist schon beängstigend, für den Handball und auch generell“, meint der 68-jährige Thiemann.

Neuzugänge verjüngen den HSG-Kader

Solange die eigene Mannschaft und die eigene Liga aber nicht direkt betroffen sind, bereiten sich die Löwen auf eine Saison vor, die sportlich möglichst nicht so mies laufen soll wie die beiden vorherigen. „Der Abstiegskampf war sehr nervig und aufreibend“, erinnert sich Thiemann ungern zurück: „Diesmal würden wir, wenn’s geht, gerne einen Mittelfeldplatz belegen.“

Den verjüngten Kader nennt der Coach, der im Januar für den zurückgetretenen Dag Rieken übernommen hatte, „ausgewogen“. Man habe „einige gute Spieler verloren“ – wie Andrius Gervé, Lars von Kamp oder Jakub Anuszewski, für den Thiemann „eine echte Perspektive“ im Verein gesehen hätte. Dafür kamen hauptsächlich Talente hinzu, denen der Löwen-Trainer einiges zutraut: Der Sulinger Luis Lengauer spielte bei den Nettelstedter A-Junioren in der Bundesliga und kehrt nun zu seinem Jugendclub zurück. Mit seinen 1,92 Metern ist er „ein guter Abwehrspieler und variabel einsetzbar“. Ebenfalls „deckungsstark“ sei Kreisläufer Oliver Born. Den Wagenfelder Marco Uffenbrink (kommt aus Neerstedt), der als Rechtshänder Links- und Rechtsaußen spielen könne, bezeichnet Thiemann als „abwehrstark und schnell. Ihn planen wir fest ein.“ Finn Semper, Sohn des ehemaligen Barnstorfer Spielers Ingolf Semper, ist ebenfalls Linksaußen. „Technisch gut, muss aber noch athletischer werden“, urteilt der HSG-Coach. Der dritte neue Linksaußen Patryk Abram, der „auch in der Mitte spielen kann“, kommt aus Altjührden – war zuletzt aber ein Jahr verletzt. Und dann ist da natürlich noch Michael Romanov. Der Rückraum-Mann mit höherklassiger Erfahrung dürfte eine Top-Verstärkung für die Löwen sein – wenn er denn richtig fit ist.

Chylinski wird noch länger fehlen

Genau da liegt aktuell jedoch das Problem. Romanov krachte beim Krafttraining eine Hantel auf den Rücken, seither ist er angeschlagen – und damit bei weitem nicht der einzige. Als Thiemann aufzählt, wer in den vergangenen Wochen nicht voll trainieren konnte, muss man schnell sein beim Mitschreiben. Stefan Beljic (Schulter), Kamil Chylinski (Sprunggelenk), Kevin Heemann (Achillessehne und Leiste), Cedric Quader (Achillessehne und Knie), Uffenbrink (Oberschenkel), Born (Knie), Marko Pernar (Gleichgewichtsstörung), Yury Pishchukhin (Wade) und eben Romanow. „Es war eine äußerst verrückte Vorbereitung, wirklich abenteuerlich. Die Physios hatten viel zu tun – und wir mussten unsere letzten drei Testspiele absagen“, erklärt Thiemann, der einen Grund für die vielen Blessuren in der langen Zwangspause sieht: „Erst hatten wir Hometraining, dann ohne Körperkontakt. Und wenn man richtig anfängt, lange nicht hart geworfen hat und den Hallenboden nicht mehr gewohnt ist, kann das passieren.“

Immerhin hat sich die Lage nun deutlich entspannt. Kapitän Quader, Born, Heemann und Pernar sind auf jeden Fall dabei. Bei Uffenbrink, Beljic, Pishchukhin und Romanov (Trainingsrückkehr am Dienstag) will Thiemann noch abwarten, im Zweifel aber nichts riskieren. Bitter: Chylinski wird mit seinem Bänderriss laut HSG-Coach „noch längere Zeit fehlen“.

Hintergrund:

Zugänge: Finn Semper (TV Bissendorf-Holte), Marco Uffenbrink (TV Neerstedt), Patryk Abram (SG VTB/Altjührden), Luis Lengauer (JSG NSM-Nettelstedt, A-Jugend-Bundesliga), Michael Romanov (TuS Derschlag), Oliver Born (Oberliga-A-Jugend TvdH Oldenburg).

Abgänge: Andrius Gervé (Irland), Lars von Kamp (TSV Bremervörde), Tilman Dehmel (pausiert), Florian Honschopp (HC Bremen), Jakub Anuszewski (TvdH Oldenburg).

Restkader: Donatas Biras, Frederik Hohnstedt, Ben Garrels – Stefan Beljic, Kamil Chylinski, Cedric Quader, Marko Pernar, Saulius Liutikas, Yury Pishchukhin, Jan Linné, Kevin Heemann, Arunas Srederis (Standby), Tomas Lenkevicius (Standby).

Trainer: Heiner Thiemann (68) seit Januar 2020.

Co-Trainer: Denis Maksimovich (dritte Saison), Andreas Geweiler (Athletik/zweite Saison).

Weitere Verantwortliche: Jürgen Nackenhorst, Bernd Nitschke (beide Betreuer), Florian Stüven (Physiotherapeut), Carsten Voss (Teammanager), Bernd Roshop (Teamarzt) und Lasse Thiemann (Geschäftsführer Handball BaDi GmbH).

Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz.

Favoriten: HSG Delmenhorst, SG VTB/Altjührden, TV Bissendorf-Holte, VfL Fredenbeck.

Hintergrund:

Drei Trainer-Kandidaten – aber kein Deal

Ja, es gab durchaus Trainer, die Interesse am Job bei den Hunte-Aue Löwen hatten. „Wir haben gute Gespräche mit drei Kandidaten geführt“, bestätigt der Sportliche Leiter Heiner Thiemann. Doch da in den vergangenen Monaten lange unklar war, wann und wie es weitergeht, kam letztlich kein Deal zustande. „Einer der Kandidaten wäre sogar hierher gezogen. Aber irgendwann mussten wir mal verbindlich werden. Wir wussten ja auch nicht, ob zu Spielen wieder Zuschauer zugelassen werden – und ein neuer Trainer will ja auch bezahlt werden“, betont Thiemann und ergänzt: „Wir wollten da kein Harakiri.“ Deshalb folgte die Entscheidung: Thiemann, der im Januar für Dag Rieken eingesprungen war, macht es weiterhin selbst! „Ich habe ein gutes Team um mich herum“, betont er: „Da sind wir ein bisschen flexibler.“

Von Malte Rehnert

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2020-10-06T00:03:25+02:00

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