Quelle: Kreiszeitung vom 18.9.23 ()

Thriller am Sonntagabend: Die Löwinnen drehten Sekunden vor Schluss das Spiel bei Handball-Oberliga-Konkurrent SG Neuenhaus/Uelsen. Eiskalt verwandelte Kim Klostermann in der letzten Minute einen Siebenmeter zum 26:25 (14:15)-Sieg für Spitzenreiter HSG Hunte-Aue. Die Spielerin des Spiels und Trainer Kai Freese waren glücklich und erschöpft zugleich.

Neuenhaus – Es lief bereits die 57. Spielminute, als Kai Freese zu einer für ihn ungewöhnlichen Maßnahme griff. Seine Löwinnen lagen im Sonntagsspiel bei der SG Neuenhaus/Uelsen gerade mit 24:25 hinten, da zog der Trainer der Oberliga-Handballerinnen der HSG Hunte-Aue seine letzte Karte. „So früh habe ich das letzte Timeout, glaube ich, noch nie genommen. Das lasse ich mir meist für später“, berichtete der 50-Jährige. Doch sein Kniff zeigte Wirkung. Die Lady Lions hielten sich an die vom Trainer vorgegebenen Spielzüge, drehten die Partie noch und gewannen den Krimi mit 26:25 (14:15) – auch dank Kim Klostermann.

Handball-Oberliga: SG Neuenhaus – HSG Hunte-Aue Löwen 25:26 (15:14)

Löwinnen: Kühling, Michel – Bahr (1), Lindner, Gläser, L. Witte (3), Dießel, Scheper (1), K. Witte (6), Meyer, Klostermann (9/3), Kemper (4), Kambacheva, Buchwald (2).

Denn nachdem Elisa Buchwald vor den rund 250 Zuschauern in der vollen und lauten Halle des Sportzentrums Neuenhaus ausgeglichen hatte (58.), erzielte die Rückraumspielerin 35 Sekunden vor Schluss das Siegtor – nervenstark per Siebenmeter. „Die Anspannung vorher war ganz schön groß“, berichtete die 24-Jährige nach dem vierten Sieg im vierten Spiel erleichtert: „Am Ende ist uns eine große Last von den Schultern gefallen und wir haben uns in den Armen gelegen.“

Eine große Party auf der rund eineinhalbstündigen Bus-Rückfahrt fiel beim Spitzenreiter aber flach. „Wir sind alle ziemlich kaputt. Es war so nervenaufreibend“, erklärte Klostermann, mit ihren 9/3 Toren beste Werferin des Spiels: „Ich bin froh, wenn wir nach dem langen Tag endlich wieder zu Hause sind.“

„Große Kopfschmerzen“ bei Löwinnen-Coach Kai Freese

Auch Freese hatte nach der Anstrengung „große Kopfschmerzen“ und wollte aufs Siegerbier verzichten. Der Alternativplan des Physiotherapeuten: „Tatort und dann ab ins Bettchen. Am Montag klingelt der Wecker schon wieder um 6.00 Uhr. Und dieses Spiel hat viele Körner gekostet – auch emotional.“ Denn der Coach hatte sich sehr über die „hundsmiserable“ Schiedsrichterleistung geärgert: „Die Schiris haben nicht einmal Zeitspiel gepfiffen, obwohl die Spielzüge des Gegners mehrfach 1:20 Minute gedauert haben. Ein Schlag ins Gesicht von Karla Witte haben sie auch nicht gesehen.“

Doch Freese haderte nicht nur mit der Leistung der Unparteiischen, sondern auch mit der seiner Mannschaft: „Das war keine gute Abwehrarbeit. In der ersten Halbzeit haben wir schon 15 Dinger kassiert, erst in der zweiten Halbzeit war das Rückzugsverhalten etwas besser.“

Karla Witte nimmt die torgefährliche Katja Berkau aus dem Spiel

Freeses „Schlüssel zum Sieg: Wir haben in der Schlussphase von einer 6:0- auf eine 5:1-Deckung umgestellt. Karla Witte hat Katja Berkau in Manndeckung genommen, damit sie keinen Wurf mehr nehmen kann.“ Und tatsächlich kam die vierfache Torschützin nach Klostermanns Siebenmetertor zum 26:25 nicht mehr zum Abschluss. Und die Löwinnen jubelten.