Mit voller Konzentration und breiter Brust: Torhüter Stanko Petrovic steht im letzten Pflichtspiel des Jahres besonders im Fokus. Der formstarke Keeper soll gegen den VfL Fredenbeck II mit Paraden vorangehen und den Löwen im Abstiegskampf den dringend benötigten Rückhalt geben. © Krüger

Von: Julian Diekmann

Die Oberliga-Handballer der HSG Hunte-Aue Löwen stehen im letzten Spiel des Kalenderjahres gewaltig unter Druck. Was Trainer Marko Pernar vor dem Freitagsspiel gegen den VfL Fredenbeck II fordert und was HSG-Legende Heiner Thiemann zu möglichen Verstärkungen sagt.

Diepholz – Es ist einer dieser Abende, an denen sich entscheidet, in welche Richtung eine Saison kippt. Wenn die HSG Hunte-Aue Löwen am Freitag um 20.00 Uhr in der heimischen Diepholzer Mühlenkamphalle den VfL Fredenbeck II empfängt, geht es nicht nur um zwei wertvolle Punkte in der Handball-Oberliga Nord, es geht um Selbstvertrauen, um ein Zeichen – und um die Chance, die dunklen Wolken vor der Weihnachtspause noch einmal zu vertreiben.

Denkbar ist vieles, aber die Leute, die direkt helfen können, stehen ja auch nicht unbedingt in der Warteschlange. Wir müssen uns erst mal selbst aus dem Sumpf ziehen.

Löwen-Trainer Heiner Thiemann auf die Frage, ob sich der Club in dieser Saison noch mal verstärken wird.

Acht Spiele in Serie ohne Sieg haben ihre Spuren hinterlassen. Die Löwen sind in der Tabelle auf den drittletzten Platz abgerutscht und stehen nur noch über dem Strich, weil sie das Hinrundenduell und damit den direkten Vergleich gegen die punktgleiche TSG Hatten-Sandkrug auf dem ersten Abstiegsplatz für sich entschieden. Die nackten Zahlen sprechen jedoch eine deutliche Sprache, die Situation ist angespannt, der Druck immens.

Marko Pernar wirkt trotz der schwierigen Lage kämpferisch. „Wir lassen unsere Köpfe nicht hängen“, betont der Spielertrainer und verweist auf intensive Trainingseinheiten. Zu Wochenbeginn zog der Coach nach auskuriertem Fieber die Zügel an, verlangte viel vom Team. Die Botschaft war klar und unmissverständlich: „Es ist das letzte Pflichtspiel in diesem Jahr. Da gibt es keine Ausreden mehr. Es zählt nur ein Sieg.“

Die Gründe für die sportliche Misere sind vielschichtig. Eine nicht optimale Vorbereitung, dazu immer wieder Verletzungen im Saisonverlauf, fehlende Konstanz und Probleme im Rückzugsverhalten – all das brachte die Löwen aus dem Tritt. „Das ist natürlich keine günstige Situation für uns“, räumt Pernar ein. Gleichzeitig blickt er nach vorn: „Langsam hoffen wir, dass es wieder auf einen guten Weg kommt.“

Mit dem VfL Fredenbeck II reist ein Gegner an, der als Tabellenachter ohne akute Abstiegssorgen aufläuft, aber gerade deshalb gefährlich ist. Zweite Mannschaften gelten als unberechenbar, die Aufstellung hängt oft vom Spielplan der ersten Herren, der Dritten oder der A-Jugend ab. Sicher ist nur: Die Leistungsträger sind fast immer dabei. Besonders Rückraumspieler Jannik Müller, beweglich, zweikampfstark und wurfgewaltig, sowie Rechtsaußen Timo Backofen mit seiner hohen Trefferquote stehen im Fokus der Löwen-Defensive.

Ein handballerischer Leckerbissen dürfte es am Freitag dennoch nicht werden, meint Pernar: „Ich glaube nicht, dass es ein schönes Spiel wird“, sagt er offen. Vielmehr erwartet er einen harten Kampf, ein Spiel auf Augenhöhe, in dem Kleinigkeiten entscheiden. „Wir müssen kämpfen und irgendwie zu Hause punkten“, lautet die Marschroute.

Personell können die Löwen nahezu aus dem Vollen schöpfen. Bis auf Kreisläufer Tristan Tabeling, der weiterhin mit Schulterproblemen ausfällt, ist der Kader komplett. Rückraumspieler Yury Pishchukhin kehrt zurück, im Tor muss Stanko Petrovic den Ausfall von Peter Kowalski kompensieren – eine Aufgabe, der er laut Trainer in guter Form entgegentritt.

Was Pernar von Petrovic und seinem kompletten Team erwartet: Bereitschaft, Kampf und Motivation. Und vor allem Durchhaltevermögen. „Egal, wie das Spiel verläuft, die Jungs sollen von Anfang bis Ende alles geben“, fordert der Coach.