Es wird gezerrt und geschoben: Ellen Schlömer (l.) nimmt sich den Wurf aus dem Rückraum, während bei Mitspielerin Antonia Richter (r.) eine Material-Probe gemacht wird. © Göbel

Von: Hannes Göbel

Vom Flieger aufs Feld – Ellen Schlömer überzeugt bei Heimniederlage der „Lady Lions“ gegen den Hannoverschen SC trotz Reisestrapazen auf ungewohnter Position.

Diepholz – Sie war erst gegen 9 Uhr morgens wieder in Deutschland gelandet, überzeugte aber nach ihrer frühen Einwechslung trotz ungewohnter Position direkt: Handballerin Ellen Schlömer verbrachte das Wochenende mit ihrem Freund und dessen Familie im spanischen Barcelona. „Ich bin auf jeden Fall geschafft“, gestand die 20-Jährige, die seit 3.30 Uhr auf den Beinen war, nach der 30:33-Heimniederlage ihrer HSG Hunte-Aue Löwen gegen den Hannoverschen SC (HSC).

Trotz der Verletztenmisere um Rückraumspielerin Kim Klostermann (Knöchelbruch) und des krankheitsbedingten Ausfalls von Toptorschützin Karla Witte zeigten die Löwinnen am Sonntagnachmittag im Regionalliga-Heimspiel in der Diepholzer Mühlenkamphalle gegen den Tabellendritten eine starke Leistung – die am Ende aber nicht mit Punkten belohnt wurde.

Probleme mit offensiver Gäste-Deckung

In den ersten Minuten lief es aus Sicht der HSG Hunte-Aue Löwen zunächst nicht nach Plan. Besonders die offensiv ausgerichtete Abwehr der Gäste machte den „Lady Lions“ zu schaffen. „Mit so einer offensiven Deckung haben wir nicht gerechnet“, meinte Trainer Mateusz Chylinski, der „zu viele technische Fehler“ in der Anfangsphase bemängelte.

Nach sieben Minuten lagen die Löwinnen mit 1:5 hinten. Dann nahm der HSG-Coach eine Auszeit und stellte Linkshänderin Schlömer auf die Platte – aber nicht auf ihre gewohnte Rechtsaußen-Position, sondern in den rechten Rückraum. Ein Glücksgriff, wie sich in den nächsten Minuten zeigen sollte. Schlömer, die insgesamt acht Tore erzielte, zeigte Mut und kämpfte sich immer wieder im Eins-gegen-Eins-Duell durch.

Hat mich auch gewundert, dass es so geklappt hat.

Ellen Schlömer über ihre Leistung auf ungewohnter Position

„Das, was sie vorne abgeliefert hat, war hervorragend, vor allem mutig“, so Chylinski, der auch den Zug zum Tor und die Überzeugung in ihren Aktionen lobte. Schlömer selbst war von sich überrascht: „Ich war sehr nervös und etwas überfordert, weil ich ja sonst immer außen spiele. Hat mich auch gewundert, dass es so geklappt hat“, sagte sie und lachte.

ach drei erfolgreichen Angriffen in Serie durch die aktivsten Löwinnen Antonia Richter (6), Elis Kambacheva (6) und eben Schlömer kamen sie wieder auf drei Tore an Hannover heran. Auch die ungefähr 200 Zuschauer in der Halle spürten, dass die HSG nun richtig im Spiel angekommen war – und unterstützten lautstark.

Nach zwei HSC-Toren zu Beginn der zweiten Hälfte drehte das Schlusslicht nochmal auf und schnupperte – auch durch eine nun mutiger spielende Lea Hillmer (4/1) – an der Überraschung. In Minute 43 traf Richter zum 22:23, und auch Chylinski schöpfte Hoffnung: „Es wäre vielleicht noch ein bisschen mehr drin gewesen, aber mit dem dünnen Kader fehlte am Ende vielleicht noch mal eine Wechselmöglichkeit.“

Torhüterin Michel mit starker zweiter Hälfte

Dass die Löwinnen trotzdem bis zum Schluss gut im Spiel blieben, lag auch an Torhüterin Jessika Michel, die in den zweiten 30 Minuten mehrfach mit sehenswerten Paraden überzeugte. „Wir können stolz auf uns sein“, sagte Michel, die zunächst von ihrer eigenen Leistung dachte: „Das wird gar nichts“ , sich dann steigerte und es „in der zweiten Halbzeit irgendwie raus hatte“.

Bei den Gästen aus der Landeshauptstadt überzeugten in den entscheidenden Situationen Marieke Heilmann (7) und Carina Neumann (8), die Verantwortung übernahmen und aufblitzen ließen, wieso der HSC so weit oben in der Tabelle steht und am Ende verdient die zwei Punkte mit auf die Heimreise nehmen durfte.

„Ich hoffe, dass wir die gute Leistung in die nächste Woche mitnehmen können“, betonte Chylinski, dessen Team dann am Samstag um 19.15 Uhr beim Tabellenzweiten in Altencelle gegen die nächste Top-Mannschaft antreten muss.

Für die völlig erschöpfte Ellen Schlömer gab es nach dem intensiven Kampfspiel und den Reisestrapazen hingegen nur noch zwei Programmpunkte, an die sie denken konnte: erst das EM-Finale Deutschland gegen Dänemark schauen und dann „ab ins Bett“.