Wenn es gegen Delmenhorst geht, trifft Patryk Abram häufiger als gegen andere Gegner. In den vergangenen drei Partien gegen die HSG steuerte der Kapitän 15 Tore bei. © Hannes Göbel

Von: Jan Könemann

Löwen-Kapitän Patryk Abram kündigt sein Karriereende zum Saisonende an. Gegen Lieblingsgegner Delmenhorst will der 34-jährige Routinier aber noch einmal glänzen. Neben Abram stehen weitere Veränderungen im Löwen-Kader an, wie HSG-Macher Heiner Thiemann verrät. Für Coach Marko Pernar zählen im Kampf um den Klassenerhalt „keine Ausreden mehr“.

Diepholz – 43:33, 39:32 und 33:33 – der Blick auf die vergangenen drei Ergebnisse verrät: Wenn die HSG Hunte-Aue Löwen auf die HSG Delmenhorst trifft, dann fallen Tore satt. Einer, der sich gerade offensiv bei diesen Spielen – entgegen seiner „normalen“ Quote (drei Treffer pro Spiel) – immer wieder auffällig zeigte, ist Patryk Abram. Der Löwen-Kapitän trifft immer gerne, wenn es gegen Delmenhorst geht: „Ich mag es einfach, gegen Delmenhorst zu spielen“, sagt Abram mit einem Grinsen. „Manchmal hat man so Mannschaften, gegen die man einfach häufiger trifft.“

Starke 15 Treffer gelangen dem 34-Jährigen in den beiden Partien der Vorsaison und dem Hinspiel der laufenden Runde gegen die HSG insgesamt. „Delmenhorst spielt eine aggressive Deckung und konzentriert sich viel auf den Rückraum. Dadurch ergeben sich Freiräume für mich am Kreis oder auf Außen“, erklärt Patryk Abram seine gute Trefferquote gegen den aktuellen Tabellensechsten. Und der Routinier hätte nichts dagegen, dass sich die Geschichte auch an diesem Freitag wiederholt, wenn die Löwen Delmenhorst ab 20 Uhr in der Diepholzer Mühlenkamphalle zum 21. Spieltag der Handball-Oberliga Nord empfangen.

Patryk Abram möchte zurück in seine polnische Heimat

Für Patryk Abram wird es eine besondere Partie werden, denn es wird seine letzte gegen Delmenhorst sein: „Ich werde meine Karriere nach der Saison beenden“, kündigt der HSG-Kapitän an. Die Entscheidung habe er Trainer Marko Pernar und seinen Mannschaftskollegen bereits vor einigen Wochen mitgeteilt. Die Gründe liegen nicht im sportlichen Bereich, sondern im privaten: „Ich möchte einfach mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen“, erklärt der Familienvater. Hinzu kommt, dass der Pole früher oder später zurück in seine Heimat ziehen möchte: „Wann das passiert, kann ich noch nicht sagen. Aber wir wollen auf jeden Fall zurück nach Polen.“

Ich möchte einfach mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen.

Patryk Abram

Der Verlust ihres Kapitäns zum Saisonende trifft die Löwen schwer, wie Coach Pernar bestätigt: „Patryk ist kaum zu ersetzen. Das ist eine Niederlage für uns, wenn so ein guter Handballer und Mensch den Verein verlässt.“ Doch das ist noch Zukunftsmusik, die Gegenwart heißt Delmenhorst – und da erwartet Marko Pernar, „dass wir einen großen Kampf liefern“.

Auch Beljic und Pishchukhin hören auf

Der Verlust von Kapitän Patryk Abram trifft die Löwen schwer. Das bestätigt auch HSG-Macher Heiner Thiemann: „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Es wird sicher nicht leicht, ihn zu ersetzen.“ Und es kommt noch dicker: Auch Stefan Beljic und Yury Pishchukhin hängen die Handballschuhe am Saisonende an den Nagel. Mit Abram (34), Beljic (34) und Pishchukhin (36) verlieren die Löwen drei Spieler, die sich eher im Herbst ihrer Karriere befinden. Diese Verluste sollen nun durch jüngere Spieler aufgefangen werden: „Wir sind gerade dabei, einen Verjüngungsprozess in Gang zu setzen. Der Kern bleibt zusammen, aber die Mannschaft wird sich deutlich verjüngen“, erklärt Thiemann und bestätigt Gespräche mit potenziellen Neuzugängen: „Das ist ein Prozess. Es gibt immer Kontakte und Gespräche, aber es muss ins Konzept passen.“ Fix sei aber noch nichts.

Nach zuletzt sechs sieglosen Spielen geht der Blick der Löwen nämlich wieder nach unten. Der Vorsprung zum ersten Abstiegsplatz beträgt nur noch zwei Pünktchen. Daher legt Marko Pernar die Messlatte hoch: „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Wir müssen dieses Spiel gewinnen.“ Gut für die Löwen: Bis auf Kevin Lutz und Joshua Planitz (beide privat verhindert) stehen alle Spieler zur Verfügung. Sogar Klasse-Keeper Peter Kowalski hat für das Spiel zugesagt, verrät Pernar.

Bloß kein Zittern bis zum letzten Spieltag

Und auch auf den zuletzt kränkelnden Patryk Abram kann der HSG-Trainer wieder zurückgreifen. Der Kapitän ist nach wie vor fest vom Klassenerhalt überzeugt: „Es gibt keine andere Option, das ist ein Muss.“ Ein wenig denkt er dabei auch an sich selbst: Sein letztes Spiel für die HSG Hunte-Aue Löwen, zu Hause am 9. Mai gegen Schiffdorf, möchte er nämlich genießen: „Ich hoffe, dass wir bis dahin schon durch sind. Den Stress, dass es dann um alles geht, möchten wir natürlich vermeiden.“

Ein Sieg gegen Abrams Lieblingsgegner Delmenhorst würde also nicht nur dem Punktekonto der Löwen guttun, sondern auch dem Nervenkostüm ihres scheidenden Kapitäns, der nach dann sechs erfolgreichen Spielzeiten die HSG mit dem Klassenerhalt verlassen möchte.