
Deutlich verjüngt, aber auch mit einem Comebacker präsentiert sich der Löwen-Kader für die neue Saison. Die Trainer Marko Pernar (l.) und Heiner Thiemann (r.) sowie Torwarttrainer Mario Mohrland (2. v. r.) und Athletikcoach Andreas Geweiler (2. v. l.) freuen sich über die Neuzugänge Joshua Planitz, Kamil Chylinski, Samuel Kukucka, Tristan Tabeling und Alisman Kambachev (von links). Es fehlt Maksym Leiba. © Krüger
Von: Cord Krüger
Handball-Oberligist HSG Hunte-Aue Löwen baut in der am Wochenende startenden Spielzeit auch auf den eigenen Nachwuchs. Was hat sich personell getan? Wie sehen die Ziele aus? Hier kommt die große Saisonvorschau.
Edo Mehinagic? Meniskus-Beschwerden. Kamil Chylinski? Oberschenkelzerrung. Nikola Stankovic? Zahn-OP. Kapitän Patryk Abram? Schlüsselbeinbruch! Einige Fallstricke durchzogen die Vorbereitung der HSG Hunte-Aue Löwen auf die neue Oberliga-Saison. Zwischendurch ging Trainer Marko Pernar dermaßen das Personal aus, dass er fast zwei Jahre nach seiner schweren Knieverletzung wirklich wieder „Spielertrainer“ war und in einem Test als Mittelmann die Strippen auf dem Handball-Parkett zog. Am Dienstagabend blickte er aber entspannt aufs Feld der Barnstorfer Vereinssporthalle, denn bis auf Abram ließen sich alle der zuletzt Lädierten von Athletikcoach Andreas Geweiler mit Medizinbällen stählen. Beste Aussichten also, dass Mehinagic sowie seine Rückraumkollegen Stankovic und Chylinski beim Punktspiel-Start am Freitag ab 20.00 Uhr vor eigener Kulisse gegen den TV Oyten zupacken, um den Verlust ihres zu Regionalligist TV Cloppenburg abgewanderten Top-Torjägers Lars Meyer im Verbund zu kompensieren.
Weitab von Geweilers Abwehr- und Angriffsübung „bearbeitete“ Mario Mohrland die Keeper. „Naja, ob es ein Schleifen ist, weiß ich nicht“, relativiert der frühere HSG-Schlussmann, spätere Chefcoach und neue Torwarttrainer: „Ich biete das hier eben allen Torhütern des Vereins an.“ Dazu gehört nun auch Maksym Leiba, der bis zur vorvergangenen Saison für den HC Odessa in seiner ukrainischen Heimat zwischen den Pfosten stand.
Der Löwen-Kader
Tor: Peter Kowalski, Stanko Petrovic, Donatas Biras, Maksym Leiba. Außen: Kevin Lutz, Patryk Abram, Lars Powelkin, Joshua Planitz, Alisman Kambachev. Kreis: Tristan Tabeling, Samuel Kukucka. Rückraum: Stefan Beljic, Marek Damm, Edo Mehinagic, Marko Pernar, Yury Pishchukhin, Nikola Stankovic, Silas Steinke. Zugänge: Maksym Leiba (HC Odessa) – Tristan Tabeling (TSG Hatten-Sandkrug), Samuel Kukucka (Slowakei), Kamil Chylinski (reaktiviert), Joshua Planitz, Alisman Kambachev (beide eigene A-Jugend). Abgänge: Jannik Juchelka (pausiert), Luis Lengauer (HSG Nienburg), Lars Meyer (TV Cloppenburg), Matej Ivankovic (SV Grün-Weiß Piesteritz), Emil Henze (JSG LiT 1912). Spielertrainer: Marko Pernar (33), in der vierten Saison. Trainer: Heiner Thiemann, nach Wiedereinstieg in der ersten Saison. Torwarttrainer: Mario Mohrland, in der ersten Saison. Saisonziel: Klassenerhalt. Favoriten: TV Schiffdorf, TV Neerstedt. ⇥ck
Mit dem 21-Jährigen „haben wir jetzt sieben Leute im Alter von rund 20 Jahren im Kader. Das gab’s bei uns schon lange nicht mehr“, gesteht Heiner Thiemann. Und der Sportliche Leiter, jahrzehntelang selbst Trainer des früheren Regional- und Drittligisten, sollte es wissen. Nun mischt der 73-Jährige wieder in vorderster Linie mit – als Pernars Trainerpartner.
Der freut sich über „Heiners Erfahrung“ – und eine weitere Doppelbesetzung: Ab sofort darf er mit zwei Kreisläufern planen. Zuletzt stand dafür nur Luis Lengauer zur Verfügung, doch der in Hannover stationierte Polizeibeamte wechselte zur HSG Nienburg – kürzere Wege, aber eine Liga höher.
Die beiden „Neuen“ am Kreis agieren grundverschieden: Tristan Tabeling vom Ligarivalen TSG Hatten-Sandkrug „spielt robuster und ist körperlich stark“, nennt Pernar die Vorzüge des 20-Jährigen: „Er kann Sperren stellen und sie halten.“ Offensiver ausgerichtet ist Samuel Kukucka, zuletzt in der Slowakei aktiv und ebenfalls erst 20 Jahre jung: „Samuel ist schnell, sucht die Lücken und den Abschluss“, schildert Pernar. Wegen dieser Unterschiede ließ er in einigen Testspielen mit zwei Kreisläufern agieren. „So konnten wir neue Konzeptionen ausprobieren.“
Auftakt gegen Oyten: Bloß nicht wieder „überrannt“ werden
Am Samstag durften bereits die Löwinnen in der Regionalliga hier aufs Parkett, jetzt sind die Männer dran: Die Diepholzer Mühlenkamphalle hat die Handballer wieder! Am Freitag um 20.00 Uhr startet der Oberligist von Spielertrainer Marko Pernar dort gegen den TV Oyten in die Saison. „Und wir werden auch den Großteil unserer Heimspiele in Diepholz bestreiten“, verrät Pernar: „Es wurde ein komplett neuer Boden verlegt.“ Wegen mangelhaften Geläufs im Frühjahr hatte das Derby zum Endspurt der vorigen Saison gegen den TV Neerstedt ausfallen müssen. Für Freitagabend hofft Pernar, dass die schnellen Gäste aus dem Kreis Verden nicht ihre kompletten PS auf die frisch sanierte Platte bringen: „Gegen die sind wir ziemlich überrannt worden, sie spielen eine ganz starke erste und zweite Welle“, erinnert er sich an die schmerzhafte 32:42-Heimpleite vom Februar. Daher ließ er in den letzten Einheiten vor dem Oberliga-Auftaktspiel verstärkt das Rückzugsverhalten trainieren.⇥ck
Zudem gefielen ihm die ersten Ergebnisse mit der intensiver einstudierten 3:2:1-Deckung: „Das könnte unsere neue, zusätzliche Abwehrformation werden.“ Auch, weil der 33-Jährige für die in diesem System intensiver beschäftigten Außenspieler neue Alternativen hat: Joshua Planitz und Alisman Kambachev überzeugten als Linksaußen in der Oberliga-A-Jugend der HSG. „Beide haben sich gut entwickelt und sind fit“, lobt Pernar die Eigengewächse, die er vorige Saison teils parallel zu seinem Erstherren-Pensum gecoacht hatte.
Ebenfalls immer besser kommt Kamil Chylinski rein. Der Top-Shooter der früheren HSG Barnstorf/Diepholz versucht es nach viereinhalb Jahren verletzungsbedingter Handball-Abstinenz erneut. „Man sieht, dass er wieder in Form kommt“, findet sein Spielertrainer.
Voll im Saft steht hingegen Peter Kowalski. Der Stammtorhüter hat in der Vorbereitung „bestimmt zehn Kilo abgenommen“, berichtet Pernar über den bisher schon alles andere als übergewichtigen Keeper, der hart in den zusätzlichen Dienstagsschichten ackerte.
„Es ist gut, dass wir jetzt wieder viermal pro Woche trainieren“, urteilt Thiemann. Pernar stimmt ihm zu: „Wir sind fitter als in der vorigen Saison. Aber das muss auch so sein, denn wir wollen nach der Hinserie nicht wieder so einen Einbruch erleben.“ Dadurch rutschte die HSG vom zweiten Platz im Winter bis auf Position sieben am letzten Spieltag ab. Wohin ab Freitag die Reise führt, will Thiemann noch nicht prognostizieren: „Mit so einer jungen Mannschaft geht es erstmal um die Standortbestimmung.“






