
Gemeinsame Leidenschaft: Elis Kambacheva begann wegen ihres Bruders Alisman Kambachev mit dem Handballspielen. © HSG Hunte-Aue Löwen / Terwey
Von: Fabian Terwey
Elis Kambacheva erzielt neun Treffer in der Regionalliga, während ihr Bruder Alisman Kambachev seine Torpremiere bei den Oberliga-Herren feiert – alles zum handballbegeisterten Geschwisterpaar der HSG Hunte-Aue Löwen.
Diepholz – Mama Elitsa hatte extra einen Kirschkuchen gebacken, die Großeltern riefen aus der Heimat Bulgarien an, und auch Papa Emil und Schwester Elis ließen Alisman Kambachev hochleben – für das Talent der HSG Hunte-Aue Löwen war der vergangene Montag ein ganz besonderer Tag. Grund: Der Rückraum-Shooter feierte seinen 18. Geburtstag.
Und beim Familien-Kaffeekränzchen gab es so viel zu besprechen. Das große Thema an der kleinen Tafel zu Hause in Diepholz: Das unvergessliche Handball-Wochenende. Alisman Kambachev hatte am Freitag seine Torpremiere bei den Oberliga-Herren gefeiert, Elis Kambacheva traf am Sonntag satte neunmal für die Löwinnen in der Regionalliga.

Aus Kindertagen: Alisman Kambachev und Elis Kambacheva (r.) im Training. © HSG Hunte-Aue Löwen
„Es war sehr aufregend“, blickt Alisman Kambachev zurück: „Marko (Trainer Pernar, d. Red.) sagte auf der Bank plötzlich zu mir: ,Zieh deinen Pullover aus und mach dich bereit.‘ Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet.“
Hintergrund: Bis dahin hatte „Mani“ lediglich zwei Kurzeinsätze. Im Derby gegen Dinklage durfte er dagegen 20 Minuten durchspielen – und traf zum zwischenzeitlichen 19:23 (46.) und 26:34 (59.).
Die letztliche 26:36-Heimpleite ließ sich damit zwar nicht abwenden, für Kambachev, der zu dieser Saison aus der aufgelösten A-Jugend hochgekommen war, war es dennoch ein Erfolg. Denn Pernar lobte den Rechtshänder nach dem fehlerhaften Auftritt seines Teams als einzigen Lichtblick beim Tabellenzehnten.

Gemeinsame Leidenschaft: Elis Kambacheva begann wegen ihres Bruders Alisman Kambachev mit dem Handballspielen. © Kambachev
Entsprechend glücklich war Kambachev nach dem Auftritt vor den Augen seiner Eltern und seiner älteren Schwester. Letztere war „unfassbar stolz. Als mein Bruder reinkam, war ich nervöser als bei eigenen Spielen“, lächelt Elis Kambacheva: „Ich habe mich plötzlich zurückerinnert an mein erstes Spiel für die Frauen in der Mühlenkamphalle (Frühjahr 2022, d. Red.). Ich war so aufgeregt vor den ganzen Zuschauern. Und auch am Freitag war richtig viel los, aber mein Bruder hat es einfach nur stark gemacht.“
Elis Kambacheva schreit ihre ganze Freude heraus
Bei den Toren schrie die 20-Jährige vor Freude sogar so laut, dass Alisman Kambachev seine Schwester aus der Zuschauermasse auf der pickepackevollen Diepholzer Tribüne heraushörte. „Das fand ich megasüß und es hat mich stolz gemacht, was ich für eine coole Schwester habe“, freut sich Alisman Kambachev.
„Ich bin sowas von für ihn aufgestanden und habe – glaube ich – so was gerufen wie: ,Ja, sauber gemacht, du Maschine‘“, erinnert sich Elis Kambacheva. Echte Geschwisterliebe eben. „Wir pushen uns immer gegenseitig und fetzen uns nie“, erklärt sie: „Wir sind einfach Freunde.“
Das war schon toll. Das würde ich gerne wiederholen.
Alisman Kambachev über seine Torpremiere in der vollen Diepholzer Mühlenkamphalle
Wegen ihres Bruders war die Linkshänderin einst überhaupt erst zum Handball gekommen. 2014 hatte sie bei einer Einheit von Alisman Kambachev in Barnstorf zugeschaut, nachdem sie selbst vom Hip-Hop-Tanztraining gekommen war.
„Matthias Müller (damaliger Trainer, d. Red.) hat mich da plötzlich gefragt, ob ich nicht mitspielen will“, berichtet Kambacheva von der ersten Session mit dem Mixed-Team: „Er meinte dann, dass ich Potenzial habe und hat sich dafür eingesetzt, dass ich wiederkomme. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Plötzlich fand ich Handball spannender als Tanzen.“ Also blieb Kambacheva dabei.
Den Löwen sind die beiden Gymnasiasten der Graf-Friedrich-Schule seit ihren Anfängen treu geblieben, Elis Kambacheva unternahm lediglich einen einjährigen Abstecher zu GW Mühlen, um sich in der Oberliga-C-Jugend und Landesliga-B-Jugend auszuprobieren.
Es ist erst November und noch nichts entschieden. Ich glaube auf jeden Fall an den Klassenerhalt.
Elis Kambacheva über die sportlich brenzlige Lage mit den Löwinnen, die aktuell punktlos Letzter sind
Die Eltern unterstützen ihre Kinder, wo sie nur können. „Egal, wie früh wir an den Wochenenden für die ganzen Spiele los mussten, sie haben uns überall hingefahren“, hebt Elis Kambacheva hervor.
Auch den jüngsten Gala-Auftritt ihrer Tochter erlebten Elitsa und Emil live vor Ort – natürlich gemeinsam mit Alisman Kambachev. „Solange ich selbst kein Spiel habe, unterstütze ich sie“, sagt der Zwölftklässler. Seiner Schwester half der Support: „Alle haben mich gelobt. Ich selbst habe mich über meine neun Tore gewundert, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir auch die zwei Punkte holen.“
Daraus wurde beim 32:36 gegen Rosdorf nichts. Doch eine neue Chance bietet sich der Rechtsaußen und den punktlosen Lady Lions jetzt im Heimspiel gegen Spitzenreiter BV Garrel (Freitag, 20.30 Uhr).
Einen Tag später geht es für ihren Bruder und die Löwen zur HSG Delmenhorst (Samstag, 19.15 Uhr). Die Handball-Gesprächsthemen werden den Geschwistern so schnell nicht ausgehen.
Schlafloser Chylinski
Die Sieglosserie mit dem Schlusslicht setzt Löwinnen-Coach Mateusz Chylinski mächtig zu, das verriet er jetzt vor dem Heimspiel gegen Garrel (Freitag, 20.30 Uhr): „Ich weiß nicht, wie viele Nächte ich schon nicht durchpennen konnte.“ Doch er ist optimistisch, dass sich das ändert: „Ich werde nicht aufgeben, weil ich weiß, dass das Team das Potenzial für die Regionalliga hat.“ Lisanne Dießel (Urlaub) fehlt gegen den Spitzenreiter.
Pernar guter Dinge
Vor dem Spiel bei der offensivstarken HSG Delmenhorst (Samstag, 19.15 Uhr) hakt Löwen-Trainer Marko Pernar die enttäuschende Derby-Pleite ab: „Wir wollen dort weitermachen, wo wir vor dem Spiel gegen Dinklage aufgehört haben – mit viel Tempo, Leidenschaft und einer geschlossenen Mannschaftsleistung.“ Der Kader bleibt nahezu unverändert. Tristan Tabeling könnte nach Schulterproblemen zurückkehren.