Enge Zweikampfführung in einem engen Duell: Nikola Stankovics Angriff endet im Würgegriff von Bremervördes Jannes Hollstein, der frühere HSG-Linksaußen Lars von Kamp geht auf Tuchfühlung zu Patryk Abram (l.). © Krüger

Von: Cord Krüger

Am Ende lag nach einem zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand sogar noch ein Sieg für die leidenschaftlich kämpfenden Oberliga-Handballer der HSG Hunte-Aue Löwen drin. Doch nach dem 28:28 (15:16) sprach Löwen-Trainer Marko Pernar von einem „fairen Ergebnis“. Bester HSG-Werfer war Kevin Lutz, der vom rechten Flügel und mit zwei Tempogegenstößen siebenmal traf.

Nach diesem ungleichen Duell in der letzten Sekunde starrte der unsanft gelandete Patryk Abram gespannt zu den Schiedsrichtern. Gerade hatte der 2,03 Meter lange Rückraumhüne Marvin Mühlmann den nach eigenem Bekenntnis „eher kleinen“ Kapitän der HSG Hunte-Aue Löwen gefällt. Nur: Wo war der Tatort? Laut Abram und seinen Teamkollegen im Torraum. Vielleicht hätte der dann zwingend folgende Siebenmeter nach Ablauf der regulären Zeit noch den Sieg gebracht, doch die Referees Dennis Intemann und Benjamin Nijland sahen das Vergehen außerhalb. Den Freiwurf setzte Nikola Stankovic über die Sechs-Mann-Mauer des TSV Bremervörde, allerdings auch über den Kasten, sodass es beim 28:28 (15:16) blieb. Ein Patt im Kampf der zwei abstiegsbedrohten Handball-Oberligisten, „aber das Ergebnis ist fair“, urteilte Löwen-Trainer Marko Pernar nach dem Fight in der Diepholzer Mühlenkamphalle.

Löwen-Kapitän Abram: „Hätten Spiel selber entscheiden können“

Auch Abram lamentierte nicht über die letzte knifflige Szene. Der 34-Jährige sprach nur von „einigen unglücklichen Pfiffen, aber auf beiden Seiten. Wir hätten das Spiel selber entscheiden können.“

Mit der Galligkeit und Schnelligkeit des zweiten Durchgangs ziemlich sicher sogar. „In der zweiten Halbzeit waren wir entschlossener und dynamischer“, urteilte Pernar, der sich über den „richtig guten Kampf“ freute. „Da sind wir als Team aufgetreten.“

Spieler des Spiels: Kevin Lutz

Erst leistete der Löwen-Rechtsaußen harte Abwehrarbeit, später warf er sieben schöne Tore.

Vor der Pause hingegen sahen die knapp 100 Zuschauer beiden Kontrahenten ihren unteren Tabellenplatz an: Überhastete Abschlüsse, Pass- und Fangfehler unterbanden mehrere Angriffe. Nach dem anfänglichen 0:2 (3.) in früher Unterzahl (zwei Minuten gegen Nikola Stankovic) liefen die Gastgeber bis zu Kamil Chylinskis 4:4 (7.) einem Rückstand hinterher, gestalteten die Partie dann offen, ehe sie sich ab der 19. Minute zu schnelle Würfe nahmen und so bis auf 10:14 (26.) ins Hintertreffen gerieten. Immerhin hatten sie den Ex-HSG-Linksaußen Lars von Kamp im Griff. Der am Ende zehnfache Torschütze traf bis dahin nur zweimal per Siebenmeter.  Und bis zur Pause zogen die Löwen das Tempo an: Drei Tore von Edo Mehinagic und die versenkten Tempogegenstöße von Lars Powelkin und Kevin Lutz sorgten für den 15:16-Pausenstand.

Sonderlob für Rechtsaußen Kevin Lutz

Bester Löwen-Werfer: Kevin Lutz traf siebenmal – hier per Tempogegenstoß. © Krüger

Nach Wiederanpfiff zeigte Pernars Crew ein anderes Gesicht, räumte in der Deckung robust ab und traute sich vorn mehr zu. Allen voran Rechtsaußen Lutz, am Ende mit sieben Einschlägen bester Löwen-Werfer. „Wenn man bedenkt, wie viel er in der ersten Halbzeit verteidigen musste und wie viel Kraft das gekostet hat, war das richtig gut von Kevin“, lobte er dessen Quote. „Ich hatte aber auch gute Winkel und bin schön freigespielt worden“, erklärte der 22-Jährige. Trotzdem imponierte Pernar „dieses Selbstbewusstsein“, wie er an den frechen Lutz-Heber in der brenzligen Phase zum 27:28 (58.) erinnerte. Ähnlich abgebrüht agierte der dreifache Torschütze Lars Powelkin am linken Flügel – etwa mit seinem Drehwurf zum 24:26 (51.).

Drei spektakuläre Tore steuerte HSG-Linksaußen Lars Powelkin (beim Wurf) bei. © Krüger

Dass es überhaupt bis zum Ende eng blieb, lag auch an Stanko Petrovic, der zur zweiten Halbzeit für Peter Kowalski zwischen die HSG-Pfosten kam, neun Paraden zeigte und einmal sogar selbst netzte – zum 19:19 ins leere Gäste-Gehäuse (40.). „Ich hatte zuletzt eine Woche Probleme mit meinem verletzten großen Zeh, aber zur Halbzeit habe ich gesagt: Ich bin bereit“, berichtete der Torhüter. Vor allem lobte er die „starke Abwehr“, im Angriff hätte sich der 36-Jährige hingegen „mehr Geduld“ gewünscht: „Bremervörde hat die Zeit länger ausgenutzt.“ Hinzu kamen laut Lutz am Ende „ein paar technische Fehler, die uns vielleicht einen Punkt gekostet haben. Aber zum Glück haben wir einen geholt, und auch der hilft uns weiter.“

Stenogramm

HSG Hunte-Aue Löwen – TSV Bremervörde 28:28 (15:16) – Löwen: Kowalski (1. Hz.), Petrovic (2. Hz/1 Tor) – Mehinagic (5), Stankovic (1), Geweiler (2), Damm (1), Pishchukhin, Beljic, Kukucka (1), Chylinski (5/3), Powelkin (3), Abram (2), Lutz (7).